Rezension zu „Freedom Bar“ von David Bielmann

fünfsterne

Bert Bucher ist junge Zwanzig und träumt von der großen Musikkarriere. Da kommt es ihm gerade recht, dass seine Großmutter verstirbt und er in deren Wohnung in einem Haus in der Lausannegasse mitten im kleinen, schweizerischen Freiburg ziehen kann. Im selben Haus befinden sich eine erfolgreiche Scheidungskanzlei, eine Buchhandlung, eine Bar und damit genug Raum für Geschichten…Bert jedoch ist voll fokussiert auf seine Musik und will nun endlich alleine in Freiburg durchstarten – im angeblichen „Eldorado für Musiker“ in die Fußstapfen der legendären Beatles treten. Ein ehrgeiziges Vorhaben und schneller als ihm lieb ist, wird er auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Wie soll man erfolgreich Musik machen, wenn man beim Anblick von Studentin Lana vor lauter Aufregung die richtigen Akkorde vergisst? Außerdem scheinen die Leute nicht ganz so begeistert von seinem Talent zu sein und äußern dies auch gerne im World Wide Web. Und dann schwirrt in seinem Hinterkopf auch noch ein merkwürdiger letzter Wunsch seiner Großmutter…

Auch Johann B. Grab vermisst derzeit den Erfolg auf voller Linie. Nicht nur beruflich (Johann ist Inhaber einer Buchhandlung, vormals eines Wissensarchivs, das erfolgreich war, bis die glorreiche Erfindung „Internet“ die Welt eroberte und seine geniale Idee degradierte…), sondern auch privat steht er unter Druck: Seine Frau wünscht sich ein Kind, doch er ist zeugungsunfähig, wagt aber nicht, ihr dies zu beichten.

Eine Frau würde sich Heinrich, alias Henry, wünschen. Er ist Inhaber der namensgebenden „Freedom Bar“ und so etwas wie ein Privatleben gibt es bei ihm nicht, wohnt er doch sogar in einem kleinen Hinterzimmer seiner Bar. Seit Jahren trauert er seiner bisher einzigen ernsthaften Beziehung hinterher. Auch wirkliche Freunde kann Henry nicht zählen, obwohl allerlei illustre Gäste in seiner Bar ein und aus gehen.

Drei Männer, drei Lebensgeschichten und sie alle finden in der „Freedom Bar“ zusammen. Obwohl Johann, Bert und Henry allesamt nicht gerade Traumbilder von erfolgreichen Männern sind, waren mir die drei sofort sympathisch und ich habe ihre unterschiedlichen Geschichten sehr gerne gelesen.

Autor David Bielmann schafft eine Atmosphäre, in der man sich sofort wohlfühlt. Seine Figuren sind keine Helden, sondern haben mit alltäglichen Problemen und Empfindungen zu kämpfen, die man wunderbar nachvollziehen kann. Mangelnder Erfolg, Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, verletzte Männlichkeit, Reue, falsche Entscheidungen im Leben – diese Themen bringen eine gewisse Ernsthaftigkeit ins Spiel, die immer mal wieder durch ein wenig Philosophieren und Nachdenken über die Welt ergänzt wird.

„Die meisten Leute (…) lasen jeden Tag die Zeitung und machten sie mit einer Zufriedenheit zu, als ob sie das Weltgeschehen verstanden hätten. (…) Mit dem Ablegen der Tageszeitung ins Altpapier wurde der Tag für vergangen und erledigt erklärt. Dabei war es doch gerade der Rückblick, der den Dingen Tiefe verlieh (…). Erst der Rückblick machte eine bestimmte Zeit richtig interessant, machte aus dem Alltag Kultur, und erst die Fähigkeit, zurückzublicken machte aus dem Menschen ein intelligentes Wesen.“ S. 85

Dabei darf eine ordentliche Prise Humor nicht fehlen. Oft ist es subtiler Humor, der sich zwischen den Zeilen verbirgt. Es gibt aber auch zahlreiche komische Situationen, die mich beim Lesen zum Schmunzeln gebracht haben und besonders zum Ende hin, als sich die Ereignisse überschlagen, Irrungen und Wirrungen entstehen, habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen können. Die Geschichten der drei Männer hängen viel stärker zusammen, als man vermutet hätte. Ein literarischer Kunstgriff  und geschickte Konstellationen in der Dramaturgie der Geschichte führen dazu, dass man als Leser mehr weiß, als die handelnden Personen. Am liebsten hätte ich das ein oder andere Mal in die Geschichte eingegriffen, doch am Ende stellte sich heraus, dass alles gut passte. Gerne hätte ich noch weiter gelesen, aber auch ein gutes Buch muss irgendwann ein Ende haben.

Fazit: Ein großartiger Roman mit kultigen Protagonisten und einer Story, die immer wieder Überraschungen und feine Verwicklungen zu bieten hat. Klare Leseempfehlung!

Hier findet ihr meine Lieblingszitate.

Freedom Bar

 

Riverfield Verlag

Hardcover mit Schutzumschlag
304 Seiten
ISBN 978-3-9524523-4-9

Danke an Autor David Bielmann und den Riverfield Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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8 Gedanken zu “Rezension zu „Freedom Bar“ von David Bielmann

  1. Schöne Rezi =) macht auf jeden Fall Lust auf das Buch. Ich mag solche Geschichten, in denen es um mehrere Hauptcharaktere geht und die Handlung an einem Punkt zusammenkommt. Und einige deiner Lieblingszitate mochte ich ja eh schon…hm, ein guter Kandidat für meine Leseliste =)

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    1. Oh ja, ich hätte auch gerne noch weiter gelesen!
      Von Adams habe ich noch nichts gelesen, aber vielleicht kannst du mir ja ein Buch empfehlen? Wenn es Ähnlichkeiten vom Schreibstil gibt, sollte es mir ja gefallen 🙂

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  2. Douglas Adams noch nicht gelesen? „Die Letzten ihrer Art“ oder das Standardwerk „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Einstieg und erstem Band der fünfteiligen Anhalter-Trilogie…
    VÖLLIG anderes Genre zwar, aber „Die letzten Ihrer Art“ kann man bedenkenlos jedem empfehlen der seinem Humor nicht gleich auf den ersten Seiten abgeneigt ist. (Wenn ich mich recht entsinne war es auch sein persönlicher Liebling)
    Sehr feinsinniger Humor. Sehr Liebenswert.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich habe zwar den Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ gesehen, aber der hat mich noch nicht animiert, die Bücher zu lesen 😉
      Feinsinniger Humor hört sich aber gut an, dann werde ich mir „Die letzten ihrer Art“ mal schnell merken. Danke für den Tipp!
      Liebe Grüße
      Lisi

      Gefällt 1 Person

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