Rezension zu „Im Himmel gibt es Coca Cola“ von Christina Nichol

viersterne

Slims ist Georgier und liebt sein Land. Umso schwerer fällt es ihm, zuzusehen, wie das Land unter dem Regime des örtlichen Diktators zu leiden hat. Korruption ist an jeder Ecke an der Tagesordnung, Slims hat von der Regierung, bei der er angestellt ist, seit über einem halben Jahr keinen Lohn mehr bekommen und die Georgier werden gezwungen, das teure Öl des Landes zu kaufen, weil absichtlich ständig die Elekrizität ausfällt. Bei all diesen Zuständen hat Slims nur eines im Sinn: Georgien verlassen und in das glorreiche Amerkia ziehen. Er versucht, sich für ein Praktikum in den USA bei Hillary Clinton zu bewerben und schreibt ihr blumige Briefe über sein geliebtes Land.

„Wenn drei Georgier sich einig sind, dann sind sie eine Welt“ S.75

„Im Himmel gibt es Coca Cola“ ist ein wahnsinnig lustig geschriebenes Buch, das auf diese Weise mit dem Ernst der Lage in Georgien umgeht. Nach Fall des Sowjetregimes ist es keinesfalls so positiv für Georgien gelaufen wie erwartet. Statt angeblicher Demokratie sind Korruption und Unterdrückung der Bürger vorherrschend, doch diese lassen sich nicht unterkriegen und bewahren vor allem ihre humorvolle Seele. Der Humor passt zum Bild, das die Autorin von Georgien vermittelt. Die Einwohner kommen alle sehr sympathisch rüber, allen voran Slims, der mir sofort gefallen hat.

„Ich empfand plötzlich eine tiefe, logisch nicht zu begründende Liebe zu meinem Land, wie man sie einem gestörten, aufsässigen Kind entgegenbringt, über das eine georgische Muter nachts seufzt und das sie trotzdem am meisten liebt.“ S. 286

Man merkt, wie die jungen Leute versuchen, sich eine bessere Zukunft zu erarbeiten, aber ihnen durch das Regime viele Steine in den Weg gelegt werden. Dennoch stecken sie den Kopf nicht in den Sand. Slims Idee, Briefe an Hillary Clinton zu schreiben, fand ich ziemlich genial und die Briefe waren immer lustig zu lesen. Am meisten machen die  Georgier ihre unermüdliche Gastfreundschaft aus, von der sich die Deutschen noch etwas abschauen können

„…ich brauchte unbedingt einen Gast, um mich wieder wie ein Georgier zu fühlen.“ S. 367

und natürlich ihre unermüdliche Hoffnung.

„Versuchte sie ebenfalls, ihr Leben neu zu erfinden? In Amerika schien es immer um ein Ende und einen neuen Anfang zu gehen. Aber der Anfang Georgiens liegt so lange zurück, dass wir uns nicht erinnern. Und auf ein Ende trinken wir niemals.“ S. 273

Zu Beginn bin ich erst schlecht in den Roman gekommen. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich mich an den eigenwilligen Schreibstil der Autorin gewöhnt hatte, denn dieser ist sehr chaotisch. Den roten Faden in der Handlung zu finden, war nicht einfach, denn die Autorin bringt viele Anekdoten und Redensarten in den Erzählfluss ein. Diese sind aber allesamt lustig und unterhaltsam. Durch die vielen Abschweifungen zieht sich an manchen Stellen die Handlung gewaltig. Irgendwann hatte ich mich aber daran gewöhnt, es passt auch zum Bild des Landes: In Georgien geht es eben nicht so geordnet zu wie in Deutschland. 😀

Man lernt beim Lesen einiges über das Land Georgien und die Rosenrevolution – und das ganz nebenbei. Dabei wird man nicht von langweiligen Fakten gequält, sondern hat den Eindruck, die Zeitspanne ab 2002 hautnah zusammen mit Slims zu erleben. Ich würde zu gerne auch mal ein Praktikum bei Slims machen und ihn mal persönlich kennenlernen. 🙂

Fazit: Ein herausfordernder Roman, bei dem man fürs Durchhalten mit sympathischen Charakteren und vielen lustigen Anekdoten belohnt wird! Es ist einer dieser Romane, in denen ich gefühlt jeden zweiten Satz anstreichen könnte, um ihn mir gerahmt übers Bett zu hängen. 🙂

Im_Himmel_gibt_es_Coca_Cola

OT: Waiting for the Electricity
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
448 Seiten,
gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Zur Buchseite des Verlags

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