Rezension zu „Dich tanzen zu sehen“ von Maggie Shipstead

viersterne

„Dich tanzen zu sehen“ ist ein Buch über das Ballett und das Leben – und die Untrennbarkeit von beidem. Joan liebt das Ballett und tanzt schon seit ihrer Jugend. Sie weiß jedoch, dass sie es nie zu einer großartigen Primaballerina bringen wird. Ihr eigenes Streben nach Perfektion und ihre Unzufriedenheit mit sich selbst stehen ihr im Weg und so kommt ihre plötzliche Schwangerschaft Joan ganz recht. Sie hört mit dem professionellen Ballet auf und heiratet Jacob, den sie schon seit ihrer Schulzeit kennt. Ebenso lang ist er in sie vernarrt, doch erst nach einer kurzen Affäre und wegen Joans Schwangerschaft werden sie zur typischen Vorstadtfamilie. Das Ballet bleibt weiterhin in Joans Leben – sie unterrichtet es nun; und vor allem ihre Erinnerungen an die aufregende Zeit in den Siebzigerjahren, als sie den russischen Startänzer Arslan nach einer intensiven Bekanntschaft bei der Flucht nach Amerika unterstützt, hängen Joan noch lange nach und stellen ihre Ehe mit Jacob auf eine harte Probe. Dies wird nicht leichter als Harry, Joans Sohn, das Ballet für sich entdeckt und Arslan zu seinem großen Vorbild erklärt.

Maggie Shipsteads Roman umfasst einen Zeitraum von fast 30 Jahren, wobei der Schwerpunkt auf der „Gegenwart“ (den Achziger- und Neunzigerjahren) liegt. Joans und Davids Geschichte wird dabei durch viele Rückblenden in die Siebzigerjahre erweitert. Später wird auch aus der Sicht von Harry und wenigen anderen Personen erzählt. Die Zeitsprünge sind allesamt sehr gut gekennzeichnet, indem Ort und Jahr über den Kapitel genannt werden, sodass beim Lesen keine Verwirrung entsteht. Mir persönlich waren einige Rückblenden zu langatmig, da mich die „Gegenwart“ am meisten interessiert hat.

Die Passion der Protagonisten für das Ballett ist mitreißend dargestellt. Auch für Laien wie mich waren Tanzszenen und Training so anschaulich beschrieben, dass ich mir diese Welt des Balletts gut vorstellen konnte und viele schöne Bilder im Kopf hatte. Zum Ende fand ich einige Szenen aus einem Ballettstück aber zu ausführlich dargestellt. Alles in allem wird ein Bild vom professionellem Ballett gezeichnet, das zwar die Schönheit des Balletts, aber auch dessen Schattenseiten vermittelt. Die Tänzer werden teils als recht oberflächlich und egoistisch, insbesondere in Bezug auf Liebesbeziehungen dargestellt – Affären, Drogenkonsum und Essstörungen sind bei ihnen an der Tagesordnung. Inwieweit das realistisch oder klischeebehaftet ist, kann ich nicht beurteilen.

Sehr interessant fand ich, dass bei den Charakteren kein wirklicher Sympathieträger dabei war und mir die Geschichte trotzdem gefallen hat. Es geht um viele verschiedene und meist unerfüllte Lebensträume. Niemand scheint vollends glücklich zu sein, viele Entscheidungen konnte ich nicht nachvollziehen und hätte hier und da gerne als gute Fee ins Geschehen eingegriffen. Mit Joan hatte ich oft Mitleid und fand, dass sie sich das Leben unnötig schwer gemacht hat. Diese gefühlvolle Ebene des Romans hat mir besonders gefallen und darauf sollte denke ich auch der Fokus liegen, denn viele Geschehnisse an sich sind vorhersehbar, aber wie die handelnden Personen damit umgehen ist bewegend und gelungen.

dich_tanzen_zu_sehen-9783423260893

dtv premium

368 Seiten
ISBN 978-3-423-26089-3
20. November 2015

Zur Website des Buchs

 

 

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