Rezension zu „Layers“ von Ursula Poznanski

viersterne

Der siebzehnjährige Dorian ist obdachlos und schlägt sich irgendwie durchs Leben. Als er eines Morgens mit schlimmsten Kopfschmerzen aufwacht, bietet sich ihm ein Horrorszenario schlechthin: Der ebenfalls obdachlose Emil liegt tot und blutüberströmt vor ihm – neben ihm Dorians blutiges Taschenmesser. Dorian kann sich an nichts erinnern, er weiß nur, dass er tags zuvor einen Streit mit Emil hatte. Unverhofft kommt Rettung daher. Ein Mann bietet Dorian an, bei einem Programm für obdachlose Jugendliche mitzuwirken und bringt ihn vom Ort des schrecklichen Geschehens direkt ihn in die Villa des reichen Wohltäters. Als Gegenleistung müssen die Jugendlichen scheinbar sinnlose Aufgaben erledigen: wie Flugzettel zu verteilen, ohne sich weiter als 10 m von einem Treffpunkt zu entfernen oder Pakete liefern und dabei merkwürdige Sätze sagen. Dorian merkt schnell, dass eine größere Sache hinter all dem stecken muss. Als einer seiner Aufträge schief läuft und er einen Einblick in den Inhalt eines auszuliefernden Päckchens bekommt, eröffnet sich Dorian ein brisantes Werkzeug und gefährliches Wissen. Ein Wettlauf gegen die Zeit, um Leben und Tod beginnt.

„Layers“ ist der erste Roman, den ich von Ursula Poznanski gelesen habe. Ich hatte keine Erwartungen an den Inhalt der Geschichte, doch was sich letztendlich Dorian beim Öffnen des Pakets offenbart hat, hätte ich niemals gedacht! Ich bin so froh, dass ich im Vorfeld keine Rezensionen zu „Layers“ gelesen habe, denn wenn ich schon im Vorhinein gewusst hätte, wohin die Geschichte führt, wäre vieles an Spannung verlorengegangen.

Nachdem der Roman mir anfangs durch Poznanskis Schreibstil unglaublich langweilig erschien und ich schon abbrechen wollte, kam mit dem geheimnisvollen Päckchen plötzlich extreme Spannung auf. Ich habe lange nichts so spannendes gelesen, wie den Teil des Romans um das geheimnisvolle Päckchen und dessen Inhalt. Ich konnte es kaum aushalten, nicht zu wissen, was in dem Päckchen steckt (da ich niemandem diese Erfahrung nehmen möchte, versuche ich mal kryptisch drumherum zu erzählen, ohne zuviel zu verraten 😉 ).

Das Thema des Thrillers ist hochbrisant und topaktuell. Was scheinbar nach Science-Fiction klingt, ist keineswegs übertrieben oder unmöglich, sondern das, was heute schon machbar ist. Poznanski entwirft ein mögliches Szenario, das sich von der Grundidee so ereignen könnte.

Die Umsetzung dieses genialen Themas war für meinen Geschmack ab der zweiten Hälfte jedoch nicht mehr gelungen. Nach dem absoluten Spannungshoch hat sich die Geschichte dann wieder wie am Anfang gelesen. Das Buch ist aus Dorians Sicht geschrieben und da er als Obdachloser bzw. später Gejagter, hauptsächlich allein unterwegs ist, finden nur wenige Dialoge statt. Vielmehr ist es ein Bericht, in dem geschildert wird, was Dorian macht und welche Fragen er sich stellt – was ein Schreibstil ist, der mir überhaupt nicht zusagt. Außerdem wird für den Verlauf eine überflüssige und unglaubwürdige Liebesgeschichte konstruiert, die mich als Leser aber nicht berührt hat.

Irgendwann nach Dorians immer gleichen Tagesabläufen hatte ich den Eindruck,  alles schon einmal gelesen zu haben und die Geschichte zog sich im letzten Drittel sehr dahin. Die Aufklärung am Ende war für meinen Geschmack zu flach und unglaubwüridg.

Alles in allem bin ich bei der Bewertung des Romans etwas zwiegespalten, da mir vieles nicht gefallen hat, ich die Idee jedoch umso faszinierender finde.

7604

Erstmals erschienen 2015
448 Seiten
ISBN 978-3-7855-8230-5
Klappenbroschur mit Stanzung und Relieflack

Loewe Verlag

Zur Website des Buches

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7 Gedanken zu “Rezension zu „Layers“ von Ursula Poznanski

  1. Schöne Rezension!
    Ich hatte genau die gleichen Probleme mit dem Buch. Als er dann zum gefühlt hundertsten Mal davonläuft, hätte ich ihm am liebsten so lange geschüttelt, bis er sich mal auf die wichtigen Dinge fokussiert! 🙂

    Gefällt mir

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