Rezension zu „Die Stunde der Liebenden“ von Lucy Foley

fünfsterne

Der Roman ist mein absolutes Lesehighlight der letzten Monate. Wunderschön und sehr berührend!

1928: Der junge Tom trifft nach Jahren die aufregende Alice aus reichem Elternhaus wieder und ist bezaubert von ihrer Ausstrahlung. Ist das der Beginn einer Liebesgeschichte?

1986: Die Fotografin Kate verliert nach dem Tod ihrer Mutter nun auch ihre letzte Bezugsperson: ihre Zieh-Großmutter Evie. Am Sterbebett überreicht Evie Kate eine Zeichnung und den Brief einer Frau – zusammen mit dem Geständnis, dass Evie Kate und ihrer Mutter June jahrelang ein Geheimnis vorenthalten hat. Die unbekannte Frau auf der Zeichnung hat sich vor Jahren an Evie gewandt und behauptet, Junes leibliche Mutter zu sein. Um June nicht zu verlieren, hat Evie das Geheimnis all die Jahre mit sich herumgetragen. Kate findet heraus, wer das Bild der Frau gezeichnet hat und begibt sich auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie.

Lucy Foleys Erstlingswerk hat mich geradezu begeistert! Durch ihren großartigen Schreibstil hat mich der Roman sofort in seinen Bann gezogen, regelrecht verzaubert. Die Schauplätze des Romans, England, Korsika, New York, Venedig, Paris, sind allesamt so anschaulich und bildreich beschrieben, dass man sich fortwährend vor Ort, direkt bei Kate fühlt.

Kates Geschichte und die Geschichte um Tom und Alice werden im Wechsel erzählt, jeweils aus Kates oder Toms Perspektive. Die Autorin schafft, was nicht oft gelingt: jeden der Charaktere in seinem eigenen, unverkennbaren Stil erzählen zu lassen. Lucy Foleys Schreibstil bewirkt, dass man sich den Protagonisten unglaublich nahe fühlt. Kates Einsamkeit zu Beginn des Romans ist so intensiv zu spüren und auch Toms anfängliche Unsicherheit ist fein herausgearbeitet.

Für mich schwang immer ein wenig Melancholie zwischen den Zeilen mit, was der Geschichte einen besonderen Ton gegeben hat. Als Leser fiebert man mit Kate mit und wünscht ihr von ganzem Herzen, noch Spuren ihrer Familie zu finden. Neben der Liebesgeschichte um Tom und Alice bahnt sich auch für Kate eine solche an, die realistisch, nie zu kitschig, aber dennoch sehr romantisch erzählt wird.

Gekonnt spannt die Autorin einen Erzählbogen, der den Leser nicht mehr loslässt. Vor allem die Figur „Alice“ hat einen bemerkenswerten Lebenslauf hinter sich, den ich so nicht erwartet hätte. Zunächst erfährt man über Alice nur aus Toms Erzählungen, kennt nur seine Seite der Medaille und hat doch ein klares Bild von Alice vor Augen. Schließlich aber klären sich Ereignisse und Entscheidungen, die einem beim Lesen ungeheuerlich und fassungslos vorkamen, am Ende auf und wandeln die Vorstellung von Alice noch einmal.

Stück für Stück dringt man tiefer in eine schicksalhafte Familiengeschichte ein, die von Verlorenem und Wiedergefundenem geprägt ist. Ein außergewöhnlicher Debütroman!

36107

Erschienen: 24.10.2015
insel taschenbuch 4407, Klappenbroschur, 460 Seiten
ISBN: 978-3-458-36107-7

Zur Buchwebsite des Verlags

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3 Gedanken zu “Rezension zu „Die Stunde der Liebenden“ von Lucy Foley

  1. Deine Rezension sprüht förmlich vor Begeisterung. Ich werde es auf jeden Fall mal in die engere Auswahl meiner nächsten Buchkäufe nehmen. Das Buch hört sich wirklich interessant an und so, als könnte es mich in seinen Bann ziehen!

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