Rezension zu „Nur wir zwei auf einer einsamen Insel“ von Barbara Schinko

viersterne

Bee spielt Geige. Sehr gut eigentlich, doch nachdem sie die Aufnahmeprüfung zum Geigenstudium wegen einer Blockade verpatzt hat und auch noch mit ihrem Freund Lars Schluss ist, entscheidet sie sich, eine Auszeit zu nehmen. Irgendwo weit weg sein und alleine ihren Gedanken nachhängen können, wieder Kräfte sammeln und sich in Ruhe wieder auf´s Geigenspielen konzentrieren. Was bietet sich da besser an, als der alte Leuchtturm in Irland, der Bees verstorbenem Großvater gehörte? Ganz so verlassen und einsam wie gedacht bleibt Bee jedoch nicht, denn schnell lernt sie den geheimnisvollen Owen kennen, den sie ohne es zu wollen, ziemlich sympathisch findet – auch wenn er nicht gerne Dinge über sich preisgibt. Dafür erzählt er Bee umso mehr von der ersten Leuchtturmwärterin Alvy, die genau wie Bees Großmutter Goldstar ein tragisches Schicksal mit dem Leuchtturm verbindet. Steht Bee ein ähnliches Schicksal wie den beiden Frauen bevor?

Barbara Schinko nimmt den Leser in „Nur wir zwei auf einer einsamen Insel“ aus dem Verlag Forever Ullstein dank ihres erfrischend modernen Sprachstils direkt mit zu Bee nach Irland ins Geschehen auf die einsame Insel mit dem Leuchtturm. Die Geschichte lässt sich leicht lesen und die Umgebung, der Leuchtturm, die schroffen Felsen, die Wellen und der salzige Geschmack des Meeres sind sehr anschaulich beschrieben.

Es wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen erzählt, wobei die Gegenwart den größten Raum einnimmt. Alvys Geschichte spielt im 17. Jahrhundert, Goldstars Geschichte in der Mitte des letzten Jahrhunderts und in allen drei Erzählsträngen ist der Sprachstil an die jeweilige Zeit angepasst. Der Wechsel zwischen den Erzählsträngen erschwert das Lesen nicht, weil Jahr und Namen über den Abschnitten stehen. Elegant werden Parallelen zwischen den drei Frauen geschaffen, indem ihre einzelnen Abschnitte oft ähnlich beginnen und auch inhaltlich vergleichbar sind. Nach und nach erfährt man über Liebe, Misstrauen, Tragik, Treue und Untreue im Leben von Alvy und Goldstar und verdrängte Geheimnisse kommen zum Vorschein.

Die Figur Alvy erschien mir ein wenig zu blass und naiv in ihrer Liebe zu Macallis. Ich hätte mir gewünscht, mehr über sie zu erfahren, um ihren Charakter besser verstehen zu können. Goldstar hingegen ist eine ungeheuer faszinierende Persönlichkeit mit Ecken und Kanten und einem unfassbaren Schicksal. Für mich ist sie der spannendste Charakter der Geschichte und hätte ebenso für meinen Geschmack noch mehr Raum bekommen können!

Viele kleine Details zeigen, welche Liebe die Autorin in ihren Roman gesteckt hat. Jedes Kapitel ist mit einer poetischen Kapitelüberschrift versehen, die immer sehr gut zum Inhalt passt. Es gibt einige wiederkehrende Elemente: die Märchenfiguren, der Leuchtturm, Owens Aussehen, Geschmack, Geruch, und vor allem die Musik. Sie ist immer gegenwärtig, durch das „Liebeslied“, das Geigenspiel, und insbesondere als Unterstützung der bildhaften Sprache – in schönen Momenten, wie in einer Liebesszene (zum Zitat), aber auch in traurigen, nachdenklichen Momenten (zum Zitat). Eine schöne Stimmung bieten auch die gälischen Ausdrücke, die immer wieder in ihrem fremden Klang der Geschichte einen besonderen Charme verleihen.

Fazit: Liebe, Schicksal, Tragik und ein Leuchtturm machen „Nur wir zwei auf einer einsamen Insel“ zu einem außergewöhnlichen und sehr poetischen Liebesroman.

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E-Book ca. 200 Seiten

Erschienen im September 2015

Verlag: Forever Ullstein

ISBN 978-3-95818-057-4

Zur Website des Buches

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