Rezension zu „Die Stimmen über dem Meer“ von Bettina Storks

fünfsterneAls Morgane von ihrer verstorbenen Tante Fanny ein Haus in der Bretagne erbt, macht sie sich auf den Weg in ein neues Leben. Eigentlich wollte sie nie an diesen Ort zurückkehren, denn vor vielen Jahren verunglückte ihre Mutter Elaine dort tödlich bei einem Badeunfall. Nun aber wagt Morgane, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Ohnehin herrscht in ihrer Beziehung zu ihrem Partner Stefan gerade eine Pause, sodass Morgane sich entschließt, einen Neuanfang zu wagen. In der Bretagne angekommen, wird sie davon überrascht, dass das Haus ihrer Tante noch bewohnt ist. Die alte und etwas kauzige Paulette scheint somit unfreiwillig zu ihrer Mitbewohnerin geworden zu sein – und der liebenswerte Hund Filou ebenfalls.

Morganes Neuanfang wird ihr alles andere als leicht gemacht, sie muss finanzielle und private Rückschläge erleiden, noch dazu legt sich ihre Vergangenheit wie ein dunkler Schatten über sie und immer tiefer dringt Morgane in längst gehütete Geheimnisse ein.

Der Roman der Autorin Bettina Storks aus dem Berlin Verlag hat mich vollends in seinen Bann gezogen. Zuerst hatte ich eine typisch romantische, vorhersehbare Geschichte erwartet, doch „Die Stimmen über dem Meer“ hat  viel mehr zu bieten. Schon auf den ersten Seiten ist der Schreibstil der Autorin so bildhaft und fesselnd, dass man sich unmittelbar in der Geschichte angekommen fühlt und den Eindruck hat, mit allen Sinnen zu lesen. Die Landschaft der Bretagne ist bildgewaltig und in all ihren Facetten beschrieben – es scheint, als wäre man zusammen mit Morgane vor Ort.

Die Protagonistin ist eine angenehme Persönlichkeit. Als Leser fühlt man sich Morgane sehr nahe, erlebt Höhen und Tiefen bei ihrem Neuanfang, schließt Freundschaften und dringt mit ihr immer tiefer in ihre schicksalhafte Vergangenheit ein. Die Geschichte ist sehr bewegend und gefühlvoll geschrieben, ohne dabei kitschig zu wirken.

Der Schreibstil der Autorin präsentiert sich erfrischend unaufdringlich und lässt dem Leser viel Raum für seine eigenen Gedanken und Interpretationen. Diese fallen einem beim Lesen nicht schwer, da man sich ohnehin fühlt, als wäre man mitten im Geschehen. Die Charaktere im Buch sind allesamt liebenswert beschrieben, auch wenn sie ihre Ecken und Kanten haben und scheinbar typische bretonische Eigenschaften mit sich bringen. Dabei habe ich  besonders die zurückhaltende Paulette ins Herz geschlossen, die oft mit wenigen Worten und Taten so vieles ausdrückt und Morgane zur Seite steht.

Ein schönes Detail, was mir ausgesprochen gut gefallen hat, sind die bretonischen Mythen und Sagen, die geschickt in den Roman eingearbeitet sind, ohne den Lesefluss zu beinträchtigen. Hier erfährt man von alten Geschichten über mystische Gestalten, nach denen übrigens einige Charaktere im Roman benannt sind. All das bringt eine besondere Stimmung in den Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte (am liebsten mit einer Tasse Tee in eine Decke eingekuschelt auf dem Sofa, dafür ist das Buch genau richtig 🙂 )

Fazit: Eine liebenswerte Geschichte über einen Neuanfang und die Suche nach den Schatten der Vergangenheit. Unbedingt lesenswert!

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Erschienen am 05.10.2015
384 Seiten
Klappenbroschur
ISBN: 978-3-8270-1252-4
Berlin Verlag
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