Rezension zu „Die Tochter des Malers“ von Gloria Goldreich

viersterneIn ihrem neuen Roman, der im Aufbau Verlag erschienen ist, widmet sich Autorin Gloria Goldreich dem Leben von Ida Chagall, der „Tochter des Malers“ Marc Chagall. Wir lernen Ida als siebzehnjährige junge Frau kennen, die bis zu diesem Zeitpunkt als einziges Kind ihrer Eltern Bella und Marc Chagall ein behütetes, sorgenfreies Leben in Paris geführt hat – von ihrer Mutter umsorgt und von ihrem Vater als Tochter und Modell für seine Bilder vergöttert.

Als Ida in einem Ferienlager für jüdische Jugendliche den gleichaltrigen Michel kennenlernt, der ihre erste Liebe werden soll, beginnt sie sich langsam aus ihrer Bevormundung zu lösen und ein eigenständiges Leben zu führen. Dann muss Ida einen schweren Schicksalsschlag verkraften und sowohl ihre Beziehung zu Michel als auch zu ihren Eltern wird auf die Probe gestellt. Ida wird durch ihre Erfahrungen gestärkt und entwickelt sich zu einer starken Persönlichkeit.

Bewegend erzählt die Autorin Idas Lebensgeschichte. Besonders mit ihrem Vater hat Ida ein schweres Los gezogen, denn wir erleben Marc Chagall als einen störrischen, eigennützigen und fordernden Charakter, der nur für seine Kunst lebt und dabei auch das drohende Unheil ignorieren möchte, das aus Deutschland bevorsteht. Als Leser weiß man, dass der Zweite Weltkrieg in wenigen Jahren ausbrechen wird und möchte Ida in ihren unermüdlichen Bemühungen, ihre Eltern von einer Flucht aus Europa zu überzeugen, am liebsten unterstützen und Marc Chagall zur Vernunft bringen. Mir hat diese erzählte Phase im Roman sehr gefallen, da die Autorin gekonnt die Stimmung der damaligen Zeit dargestellt hat – zumindest soweit man das als Unbeteiligter heute behaupten darf. Idas Einsatz und die Schilderung der bedrohlichen Stimmung vor und während des Krieges, insbesondere aus Sicht der jüdischen Familie Chagall, fand ich so mitreißend erzählt, dass ich das Buch stellenweise kaum aus der Hand legen konnte.

Das Geschehen während der Nachkriegszeit wird dann wieder viel ruhiger erzählt und der Schwerpunkt auf Idas Leben gesetzt. Hier tauchen immer wiederkehrende Elemente auf, die die ganze Geschichte durchziehen. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter schien in der Familie Chagall sehr intensiv zu sein und immer wieder werden Marcs kindische Charaktereigenschaften zur Geduldprobeund er macht es Ida schwer, ihr eigenes Leben zu verwirklichen. Dieser Abschnitt der Geschichte war für mich von einigen Längen geprägt, denn alles wird sehr detailliert erzählt. Auf der anderen Seite wurden dann aber Monate in ein oder zwei Sätzen beschrieben, sodass ich manchmal schwer folgen konnte. Ich hätte mir Jahresangaben über den Kapiteln gewünscht, um Idas Verhalten mit ihrem Alter und den Ereignissen der jeweiligen Zeit besser in Verbindung setzen zu können.

Ein besonders schönes Element, das den gesamten Roman durchzieht, ist das Gemälde „Hochzeitsthron“, welches Ida von ihrem Vater geschenkt bekommen hat und das sie in ihren Lebensabschnitten stets begleitet. Geschickt hat Gloria Goldreich immer wieder die Kunstwerke von Marc Chagall aufgegriffen und in die Geschichte eingebaut. Dabei hat sie seine Kunst erklärt, ohne dass dies wie in einem Lehrbuch wirkt. Nach dem Lesen des Romans kann man die Hintergründe einiger seiner Gemälde sehr gut einordnen und manches besser verstehen.

Fazit: „Die Tochter des Malers“ ist ein stimmungsvoller und stellenweise sehr ergreifender Roman, der dem Leser die Welt der Künstlerfamilie Chagall eindrucksvoll näherbringt.

atb_Goldreich_Maler_FIN.inddKlappenbroschur, 592 Seiten
Aufbau Taschenbuch
ISBN: 978-3-7466-3182-0

Zur Buch-Website des Verlags: www.aufbau-verlag.de

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5 Gedanken zu “Rezension zu „Die Tochter des Malers“ von Gloria Goldreich

  1. Hi 🙂
    So, wieder ein neues Buch für meine Wunschliste entdeckt XD Eine schöne Rezension hast du da geschrieben 🙂
    Ich hab zwar um ehrlich zu sein noch nie von Marc Chagall gehört, aber die Zeitspanne (also v.a. der 2. Weltkrieg) interessiert mich schon sehr!
    Liebe Grüße,
    Celina

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